JAGD UND SCHULE GEHEN IN ST. RUPRECHT NEUE WEGE
19. Dezember 2025 by Silke Leitner
wie sieht eigentlich ein Reh aus nächster Nähe aus? Warum wird im Winter gefüttert? Und was hat Jagd mit Naturschutz zu tun? Antworten auf diese und andere Fragen erhalten die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule St. Ruprecht an der Raab nicht aus dem Schulbuch, sondern direkt draußen in der Natur – im Wald und im Revier.
Seit über 20 Jahren gibt es im Bezirk Weiz das Projekt „Jagd und Schule“. Rund 25 speziell ausgebildete Jägerinnen und Jäger gehen dabei regelmäßig in die Klassen und begleiten Lehrausflüge. Allein im laufenden Jahr waren es 39 Schulklassen mit fast 1.000 Kindern, die so den Wald und seine Bewohner kennenlernen durften. Das große Ziel, wie Bezirksjägermeister Josef Kleinhappl betont, ist, dass jedes Schulkind zumindest einmal begleitet in den Wald geht. „Wir müssen den Kindern erklären können, warum wir füttern und jagen. Wenn sie unser Tun verstehen, wird die Jagd auch in Zukunft Akzeptanz finden. Jagd ist weit mehr als Schießen – die Aufgaben der Jägerinnen und Jäger sind vielfältig und umfassend“, sagt Susanna Reisinger, MAS, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und selbst Jägerin.
Einzigartiges Projekt in der Mittelschule St. Ruprecht
Die Mittelschule St. Ruprecht ist nun noch einen Schritt weitergegangen. Gemeinsam mit der steirischen Landesjägerschaft, den Naturwelten Steiermark sowie den Jägerinnen und Jägern vor Ort wurde ein einzigartiges, auf vier Jahre angelegtes Projekt entwickelt. Jede Schulstufe steht unter einem eigenen Generalthema – abgestimmt auf Lehrplan, Alter und Interessen der Jugendlichen. In der 5. Schulstufe heißt es: „Neugierde wecken – zusammen wachsen“. Der Einstieg findet in den Naturwelten Steiermark statt und soll Lust auf Natur machen. Die 6. Schulstufe steht unter dem Motto „Lebensraum kennenlernen“: Gemeinsam mit den Jägerinnen und Jägern geht es direkt ins Revier, wo heimische Wildtiere und ihre Lebensräume erkundet werden. In der 7. Schulstufe wird es praktisch: „Lebensraum gestalten“ – die Schülerinnen und Schüler legen Blühstreifen an und erfahren, wie wichtig solche Flächen für Tiere und Insekten sind. Der Höhepunkt folgt in der 8. Schulstufe mit dem Thema „Verantwortung übernehmen“. Dabei haben die Jugendlichen im Herbst selbst eine Rehfütterung gebaut. Rechtzeitig vor Weihnachten wurde diese gemeinsam mit Jagdobmann Werner Hadler im Revier aufgestellt und mit wildgerechtem Futter bestückt. Damit das Geschehen beobachtet werden kann, ohne die Tiere zu stören, ist eine Wildkamera installiert. Die Bilder werden direkt in die Schule übertragen und im Biologieunterricht gemeinsam besprochen. Betreut wird die Fütterung von den örtlichen Jägerinnen und Jägern.
Für Mag. Marion Kranabitl Sarkleti, Geschäftsführerin der Steiermärkischen Landesjägerschaft, ist das Projekt beispielgebend: „Frei lebende Wildtiere sind der Schatz unserer Kulturlandschaft und Teil unserer Landeskultur. Komplexe Wechselbeziehungen zwischen Wildtier und Lebensraum können hier direkt beobachtet werden. Gleichzeitig wird die Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur sichtbar. Das ist Basiswissen, das wir für einen nachhaltigen und wertschätzenden Umgang mit unserer Umwelt dringend brauchen.“
Auch Alexander Windhaber, Geschäftsführer der Naturwelten Steiermark, zeigt sich überzeugt: „Das Wissen rund um Wald, Wild und Wiese ist die Basis für einen wertschätzenden Umgang mit unserer Umwelt. Über alle vier Schuljahre hinweg erwerben die Jugendlichen Naturkompetenz, Verständnis für ökologische Zusammenhänge und nicht zuletzt Verantwortungsbewusstsein. Dieses Projekt ist in dieser Form einzigartig in der Steiermark und ein echtes Vorzeigemodell für weitere Schulen.“
Mit diesem langfristigen und praxisnahen Ansatz zeigt die Mittelschule St. Ruprecht an der Raab eindrucksvoll, wie Naturbildung gelingen kann – und wie aus Neugier Schritt für Schritt Verantwortung für unsere heimische Umwelt wächst.
